Seit ca. 2 Jahren bestand mein Versprechen, für Mutti einen Couchtisch zu machen. Dieses Jahr zu Weihnachten habe ich es eingelöst. Die Eichenplatte hat sie selbst besorgt. 9 cm dick, Sau schwer und total verwittert. Ganz stolz, kam sie damit an und hat berichtet, dass sie das irgendwo bei einem Spaziergang fur einen Spottpreis ergattern konnte. Die Platte hatte verschiedene Risse und einen großen Ast auf der Fläche und ich hatte zu dem Zeitpunkt noch keine Ahnung, wie ich das Teil mit meiner Ausstattung bearbeiten soll. Je länger ich darüber nachdachte, war die Platte wie gespukt dafür, mal mit Epoxidharz zu experimentieren. Das wollte ich schon immer mal ausprobieren. Hier meine Erfahrungen.

Ich musste mir noch Werkzeug besorgen, um diese Platte überhaupt in irgendeine Form bringen zu können. Ich hab mir dann eine Planfräsvorrichtung besorgt, damit ich die Platte glatt bekomme. Die Fräse hat zum Schluss ein wenig schlapp gemacht. Aber das lag vermutlich daran, dass ich teils in einem Zug gleich 5 mm Stärke abtragen wollte. Da kam zeitweise die Ungeduld ein wenig durch. Die Platte von beiden Seiten grob zu glätten, hat ca. 3h gedauert.

Nach dem Planfräsen und massiver Späne-Produktion konnte man zum ersten Mal die Maserung und den Ast in der Platte richtig erkennen. Das Holzbild ist hier wirklich von der Natur sehr gut gelungen. Den Ast wollte ich unbedingt erhalten, da er dieses rustikale Bild noch weiter unterstrichen hat. Weiter tummelten sich die Risse um den Ast herum. Das würde mit Epoxidharz ausgegossen, sicher großartig aussehen.

Das Planfräsen hinterließ Querstreifen auf der Oberfläche, die ich ganz klassisch von Hand glatt gehobelt habe. Ich habe mich wie ins zweite Lehrjahr zurück versetzt gefühlt. Diese Unbequemlichkeit habe ich jedoch akzeptiert und war danach froh, dass ich was vernünftiges gelernt habe. Ein Hobeleisen zu schärfen und den Putzhobel einzustellen, ist wie Radfahren. Dass verlernt man offensichtlich nicht. Dafür war kein YouTube Video nötig. 😂

Ich hatte die Platte nun auf ca. 60 mm Stärke reduziert. Es war an der Zeit sich zu überlegen, welchen Zuschnitt ich für den Harzguss wälzen wollte. Ich wollte die Risse und den Ast ausgießen und am liebsten noch einen “River-Table” hieraus machen. Also hab ich die entsprechenden Schnitte in Längsrichtung gesetzt und hab die Borkenkanten in die Mitte verlegt, sodass ein ca. 10 cm Spalt entstand.

Die Größe des Tisches habe ich dann anhand des Holzbildes, der Risse und natürlich dem Ast ausgerichtet. Die Stücke habe ich dann in eine Gießform eingepasst. Bei der Gießform hab ich die Teile untereinander mit Silikon versiegelt. So läuft das Harz nicht durch die Schlitze aus der Form heraus. Ich habe auch die Formflächen mit einem speziellem Klebeband ausgeklebt. Dies soll sicherstellen, dass man das Harz nach dem trocknen besser aus der Form bekommt.

Bei der Auswahl der Harzfarbe habe ich mich für ein Semitransparentes Weiß entschieden. Also entsteht ein Bild ähnlich wie Milchglas. Dann kam es zu meinem ersten Denkfehler. Ich hab das Harz gemischt und angefangen, die Risse auszugießen. Ich hab mir keine Gedanken gemacht, das Holz in der Form zu fixieren. Irgendwann hab ich ordentlich Harz in die Form gegossen. Nun schwimmt Holz ja auf Wasser… das gleich tut es auch auf Harz. Also hat das Harz die Platten in der Form angehoben. Bis mir das auffiel, war schon zu viel Harz in der Form. Ich hab dann die Platten mit Zwingen in der Form fixiert. Das Harz quellte dann, zu dem ganzen Überfluss, noch die in den Rissen versteckte Späne und Unrat nach oben. Für einen Moment lagen meine Nerven blank. Nachdem ich mich wieder beruhigt hatte, hab ich ein wenig Harz wieder abgeschöpft und in Kleinstarbeit den Unrat aus dem Harz herausgefischt. Dabei habe ich dann gelernt, dass die Form vollständig in Waage liegen muss. Ist ja eigentlich klar, aber manchmal lernt man die einfachsten Dinge durch Schmerz besser! 😁 Gut, das Epoxidharz ein paar Tage braucht, um auszuhärten.

In der Zwischenzeit habe ich mir Gedanken zu einem Tischfuß gemacht. Der Fuß ist schlicht gehalten und ich habe ihn aus Eichen Tischlerplatten hergestellt.

Die Querstrebe konnte ich aus den Resten der Ursprünglichen Platte machen. Den Balken habe ich mit Keilen fixiert und dem Konstrukt so Stabilität gegeben. Die Verbindung habe ich in Handarbeit hergestellt. Also mit Säge, Hammer und Stemmeisen. So wie es sein sollte!

Zurück zur Tischplatte habe ich den überflüssigen Harz von beiden Seiten nochmal heruntergefräst. Durch mein Missgeschick am Anfang (zu viel Harz in der Form), war an dieser Stelle eine Menge zu tun. Weiter sollen die Holzflächen geölt werden, um die Holztypische Haptik zu erhalten. Dafür musste der Harz komplett runter.

Beim ersten Schliff mit 80er Schleifpapier, dauerte ca. 1 h. Die Riefen des Plan-Fräsers mussten ausgeglichen werden. Ich hab mich nicht mit dem Hobel an das Harz getraut.

In Summe habe ich die Holzflächen 4 Stufig (80, 120, 180, 220) geschliffen und das Harz 13 Stufig (80, 120, 180, 220, 320, 400, 600, 1000, 1500, 2000, 3000, 4000 und 5000). Das hat eine Menge Zeit in Anspruch genommen. Ab der 1000er Körnung bin ich auch echt nicht sicher ob das noch maßgeblichen Einfluss auf die Oberfläche hatte. Man musste schon sehr genau hinsehen, um hier noch eine Weiterentwicklung zu sehen.

Zum Schluss habe ich dann alle Oberflächen geölt. Die ganze Arbeit mit dem Schleifen im Vorfeld hat dazu geführt, dass ein Öl-Vorgang völlig ausgereicht hat. Die Oberfläche ist nach dem herunternehmen des Ölrückstands (nach ca. 1h Einwirkzeit) spiegelglatt geworden und die Übergänge vom Holz zum Epoxidharz, sehen aus, als hätte die Natur das so gewollt.

Fazit: Ich habe zum ersten Mal Epoxidharz verarbeitet und eine Menge gelernt. z.B.:

  • Die Formteile sollten gut versiegelt sein, bevor das Harz eingegossen wird. Das Harz sucht sich seinen Weg durch die kleinsten Schlitze.
  • Die Holzteile sollten in der Form gut fixiert sein. Holz schwimmt auf Wasser. Das gleiche tut es auf Harz!
  • Die Holzteile müssen vollständig sauber sein. Wenn hier noch Späne oder Schmutz in den Rissen versteckt sind, holt der Harzfluss diese hervor.
  • Ach ja ganz wichtig: wenn ich einen Tisch zu Weihnachten verschenken will, sollte ich Anfang Oktober damit anfangen. Anfang Dezember ist sehr knapp! Ich habe diesen Tisch am 23.12.2022 um 20:00 Uhr fertiggestellt… 👍😁

Ich mag diesen Tisch und denke Mutti wird sich über ihr Weihnachtsgeschenk freuen. Ich habe schon einen neuen Esstisch für unsere Wohnung im Kopf, den ich auch mit Epoxidharz machen möchte. Auch wenn einige Aufreger den Herstellungsweg kreuzten, ist das Ergebnis doch wirklich hübsch anzusehen. …und wenn ich die oben genannten Punkte beim nächsten mal einhalte, dann wird es viel entspannter!